Interview mit Peter Bitzer über den Verkauf der Agentur laif an ddp-images

Letzte Woche wurde bekannt, dass die Fotoagentur laif, die über 400 Fotograf/innen vertritt an die Bildagentur ddp-images verkauft wurde. Diese Nachricht, die in gewisser Weise vorhersehbar war, aber dann doch überraschte, ist ein weiteres Zeichen für den strukturellen Wandel im Geschäft mit Fotografien. Da in der Pressemitteilung von laif viele Fragen unbeantwortet blieben und mich im Laufe des Wochenendes einige KollegInnen anriefen und um eine Einschätzung baten, habe ich mit dem Geschäftsführer von laif, Peter Bitzer*, ein Interview geführt über den Verkauf der Agentur, die Beweggründe und über die Zukunft für uns Fotograf/innen.

Was war der wichtigste Grund für den Verkauf von laif an ddp-images?

Peter Bitzer (PB): Der wesentliche Grund für den Gesellschafterwechsel bei laif ist für mich, dass so die Zukunft der Agentur als einer der wichtigsten, den Interessen der Fotografen und der Fotografie verpflichteten Bildagenturen, gesichert wird.

Das beschreibt die Motivation. Was aber sind die Gründe, die ja vermutlich, wirtschaftliche sind?

Zum einen ist es ganz banal so, dass, bis auf eine, alle bisherigen laif-Gesellschafter über 60 Jahre alt sind, und wir es als unsere Verantwortung gesehen haben, rechtzeitig gute Nachfolger für uns zu finden. Zum zweiten spielt eine große Rolle, dass uns immer bewusster wurde, dass wir in diesen schwieriger werdenden Zeiten noch mehr Marktkompetenz innnerhalb der Gesellschaft brauchen. Das ist mit Ulf Schmidt-Funke und Katharina Doerk absolut gegeben. Und drittens erhoffen wir uns natürlich infrastrukturelle Synergien, die uns wirtschaftlich, aber auch inhaltlich helfen, uns noch stärker um unsere Kernaufgabe, die professionell bestmögliche Vertretung der Arbeiten unserer Fotografen und Partneragenturen, zu kümmern.

Somit hat sich laif aktiv um einen Käufer/Käuferin bemüht oder ging die Initiative von ddp-images aus? Und: Seit wann wurde eigentlich über einen möglichen Kauf durch ddp verhandelt?

PB: Ulf Schmidt-Funke, Katharina Doerk und ich kennen uns schon ewig. Wir waren vor fast 20 Jahren, gemeinsam die ersten Test-Kaninchen des damals neuen APIS – da waren die beiden noch bei Action Press. Seitdem tauschen wir uns regelmäßig über alle Herausforderungen des Marktes aus. Die beiden aber auf den Kauf der Gesellschafteranteile anzusprechen ist erst vor kurzem passiert. Die Verhandlungen darum haben dann nur wenige Wochen gedauert.

Vor kurzem wurde die 50:50 Regelung zwischen Agentur und FotografInnen hin zu einer 45 : 55 Regelung für die Agentur geändert, gibt es da einen Zusammenhang zum Verkauf an ddp-images?

PB: Wir haben diese leider zum wirtschaftlichen Überleben nötige Maßnahme zu einem Zeitpunkt beschlossen, als es an Gesprächen mit ddp-images noch null Gedanken gab. Die Entscheidung, das Sharing verändern zu müssen ist alleine aus der Analyse gewachsen, dass ohne die Verschiebung wir auf dem Hintergrund der Marktsituation wirtschaftlich nicht mehr überlebensfähig geworden wären.

Verkauft denn nun ddp-images auch die Bilder von laif?

PB: Ein ganz klares Nein. Und sollten wir irgendwann mal zu der Ansicht kommen, dass ein Lizenzierung von Nutzungsrechtes auch über DDP Kanäle für bestimmte Fotografen Sinn machen könnte, dann würde das selbstverständlich nur in Absprache und mit Einverständnis der betroffenen Fotografen geschehen können.

Bislang werden wir FotografInnen von laif exklusiv vertreten. Bleibt diese Exklusivität bestehen? Oder könnten sich FotografInnen gleichzeitig von ddp-images vertreten lassen?

PB: Bisher gehe ich davon aus, dass es bei der Exklusivität bleibt.

laif hat eine enorme Entwicklung durchgemacht. Von der kleinen, selbstverwalteten und engagierten Fotoagentur mit einer handvoll FotografInnen und auch Besitzern zu einer der größeren Bildagenturen in Deutschand. Nun auch noch der Verkauf an eine noch größere Agentur. Wie kann sich da laif noch von den anderen Agenturen unterscheiden? Was ist der Charakter der Agentur laif?

PB: laif wird ja eigenständig bleiben. Und ich erhoffe mir sogar, dass wir unseren unverwechselbaren Charakter noch stärker herausarbeiten können: Es gibt m.E. keine andere Agentur in Deutschland die in dieser Größenordnung sich als Interessenvertreterin Ihrer Fotografen und der Fotografie versteht und gleichzeitig so gut im Markt aufgestellt ist. Und für unsere Kunden bleiben wir natürlich eine einzigartige Quelle für hochwertige Photos & Reportagen, sei es in den Bereichen Bildjournalismus, in einer wertigen Reisefotografie oder im anspruchsvollen Porträt- und Lifestyle Bereich. Nicht zu vergessen unsere sehr gute Wirtschafts- und Corporatefotografie.

Das klingt gut, aber auf dem internationalen Parkett der Bildanbieter gibt es einige „einzigartige Quellen für hochwertige Photos“. Was tut laif konkret um als diese „einzigartige Quelle“ wahrgenommen zu werden?

PB: „Einzigartige Quelle“ hören wir so o.ä. sehr oft von unseren Kunden! Und ich glaube sie meinen das Gesamtpaket:
Angefangen von der wirklich sehr hochwertigen Qualität unserer  Bildquellen, von der NYT bis hin zu den doch in den jeweiligen Bereichen aussergewöhnlich guten Fotografinnen und Fotografen. Und das ist natürlich das Wichtigste, um als „einzigartige Quelle“ wahrgenommen zu werden! Aber ich glaube, zum Paket gehört auch unser als zu recht sehr qualifiziert wahrgenommenes Redaktionsteam. Und natürlich tun wir in unserer Marketingarbeit auch sehr viel um diese Wahrnehmung zu unterstreichen: Von unseren Ausstellungen, wie z.B. „Views on Africa“ während der letzten Photokina bis hin zu unseren täglichen thematischen Newslettern oder den „laif news“. Oder auch den regelmäßigen Kundenbesuchen bei denen wir neue Arbeiten und neue FotografInnen präsentieren.

Die wirtschafliche Krise im Bildermarkt hat sehr stark mit dem Preisverfall für Nutzungsrechten an Bildern zu tun. Andere große Agenturen verschenken z.B. ihre Bilder schon für eine private Nutzung. Was sind die Strategien von ddp-images und laif diesen Verfall zu stoppen? Bzw. ist dieser überhaupt noch zu stoppen?

PB: Ich kann nur für laif, nicht für DDP sprechen. Und wir kämpfen hier in jeder Preisverhandlung um jeden Euro. Aber Du hast recht, es wird immer schwerer. Und ob man erfolgreich Preise verteidigen kann, hängt ganz wesentlich natürlich von der Qualität der Bilder ab ! Wenn es diese Bilder so oder ähnlich woanders billiger gibt, dann hast Du keine Chance. Exklusive Preise verlangen exklusive Bilder. Und ansonsten müssen wir versuchen, auch über einen anderen Mehrwert, wie z.B. unseren Service, die Bereitschaft aufrechtzuerhalten, bei uns zu lizenzieren, statt woanders, wo es billiger ist. Andererseits kann es in bestimmten Fällen auch Sinn machen, mit dem Preis etwas runterzugehen, wenn man dafür eine deutlich größere Menge von Lizenzierungen für uns und die Fotografen garantieren kann.

Exklusivität, Autorenschaft, gute Bilder, guter Service. Das alles sind Begriffe, die sehr oft – auch von anderen Bildanbietern – in diesem Zusammenhang fallen. Aber wie geht das zusammen, wenn man über 400 Fotografen und etliche Auslandsagenturen vertritt. Ist laif zu groß? Oder ist laif zu klein, um perspektivisch auf dem Markt bestehen zu können?

PB: Das passt zusammen, weil wir hier mit einem sehr guten Team von insgesamt 23 sehr engagierten und qualifizierten Mitarbeitern einen voll auf die professionelle Vermarktung Eurer Arbeiten focussierten Workflow aufgebaut haben. Mit der
Frage, ob zu groß oder zu klein, kann ich nicht viel anfangen, die scheint mir doch eher akademisch.

Es gibt nun seit einigen Tagen laif-gallery, wo im Stile von Lumas Prints einiger FotografInnen angeboten werden. Was verspricht sich laif davon? Soll hier ein neuer Markt erschlossen werden?

PB: Ja, natürlich, wir wollen versuchen mit unseren Stärken auch weitere Einnahmequellen für uns und unsere Fotografen zu finden und Nutzen zu schaffen, für an hochwertiger Fotografie interessierte Endabnehmer. Das kann wie hier www.laifgallery.de sein. Das können aber auch unsere laif Master Workshops sein. Oder anderes was uns hoffentlich noch einfallen wird.

In eurer Pressemitteilung wird von beiden, laif und ddp-images, von neuen Kundengruppen gesprochen, die durch diese Fusion erschlossen werden sollen. Was meint das genau?

PB: Wenn Du jetzt einen ausgereiften Plan erwartest, muss ich Dich leider enttäuschen. Aber eine Richtung ist denke ich schon klar: Nämlich neue Kunden ausserhalb des Editorial. Also alles was zum Beispiel in Richtung Corporate geht, auch große Industriekunden direkt. Auch alles in Richtung NGOs. Immer auch mit dem Ziel ganze Projekte durchzuführen, inklusive Produktion. Aber wie gesagt: Das sind grobe Ziele, die genaue Umsetzung muss noch erarbeitet werden.

„laif“ kommt aus der Tradition des Fotojournalismus, viele KollegInnen können von ihrer journalistischen Fotografie kaum mehr wirtschaftlich überleben, jährlich strömen gut ausgebildete und erfolgshungrige neue KollegInnen auf den Markt bei einer gleichzeitigen Krise des Printjournalismus, die dazu führt, dass es immer weniger Aufträge gibt, teilweise bei immer schlechterer Bezahlung und verschlechterten Arbeitsbedigungen. Du, der nun als Agenturchef, beide Seiten kennst, also die Produktion von Bildern, aber auch den Verkauf, was ist deine Analyse, was ist – deiner Meinung nach – die adäquate Antwort auf diesen Umbruch?

PB: Ich denke, es ist klar: Niemand oder kaum jemand mehr, der an der Produktion von anspruchsvoller bildjournalistischer oder dokumentarischer Arbeit interessiert ist, kann das wie früher noch alleine durch die Arbeit für ein Printmedium finanzieren.Der Abdruck im Magazin ist nur eine von vielen Veröffentlichswegen und Verwertungszusammenhängen. Heute muss das Ganze einen vielzweigigen Strauss von Partnern haben: NGOs, Stiftungen, Grants, Sponsoren, Crowdfounding und und und. Mir macht eigentlich Mut dass gerade die jüngeren Fotografinnen und Fotografen das eigentlich schon sehr gut drauf haben.

NGOs, Stiftungen, Grants, Sponsoren, Crowdfounding etc. klingt gut und eignet sich vielleicht für die Realisierung einzelner außergewöhnlicher Projekte, aber für einen Alltag mit Mietwohnung, Ferien, Kindern etc. ist das oftmals nicht ausreichend. Zumal ja auch die „Rente“, also das Archiv der FotografInnen nicht mehr das Geld abwirft, welches früher finanzielle Löcher stopfte. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Stipendien nur dann hilfreich sind, wenn diese außergewöhnlich hoch sind, oder mein finanzielles Grundrauschen so stabil ist, dass ich es mir erlauben kann, ein Stipendium anzunehmen, um damit ein Projekt zu realisieren. Was hilft mir ein Stipendium oder ähnliches, wenn ich mit diesem Geld ein Projekt realisieren kann/muss, zwei Monate weg bin und all meine Kosten laufen weiter …

PB: Ja, Du hast recht, meine Antwort bezog sich v.a. auf außergewöhnliche Projekte, nicht so sehr auf den Alltag. Es stimmt, viele Kolleginnen und Kollegen haben da schwer zu kämpfen. Aber ich sehe auch, dass viele jüngere Fotografinnen und Fotografen das doch immer besser hinkriegen.Vielleicht wäre das dann ein Thema für ein nächstes Interview in Deinem Blog mit diesen Fotografen.

Besten Dank für das Gespräch.

* Zur Person Peter Bitzer: Nach einer kaufmännischen Grundausbildung und dem Abitur auf dem 2.Bildungsweg studierte Peter Bitzer (geboren 1954) Germanistik und Politik in Marburg. Nach Abschluss des Studiums 1986 arbeitete er zunächst als Marketing- und Vertriebsmann für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften. Von 1990-1992 war er Vertriebsleiter bei »Bilderberg – Agentur der Fotografen« und ab 1993 Geschäftsführender Gesellschafter der »laif Agentur für Photos und Reportagen GmbH«. Seit 2010 hat Peter Bitzer einen bildredaktionellen Lehrauftrag an der Fachhochschule Dortmund.

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