Schnipsel 05 | 2014

I C H  S E H E  W A S – was Du nicht siehst und das ist Bremen. So der Titel des Seminars, welches ich im Wintersemester 2013/14 an der Hochschule für Künste in Bremen geleitet habe. Die Ergebnisse werden nun am kommenden Wochenende, 08. und 09. Februar 2014, im Rahmen der Hochschultage in Bremen ausgestellt. Gleichzeit können die Bilder von 19 Studierenden auch online angesehen werden – und zwar hier. Die Aufgabe bestand darin, alt bekanntes wie die Stadt Bremen neu zu sehen und fotografisch zu interpretieren, denn:

Fotografisch ist die Welt mittlerweile umfassend vermessen worden. Während in den früheren Zeiten die FotografInnen mit ihren Arbeiten die Welt in die Zeitschriften, Museen und Galerien brachte, damit wir lernen, wie die Welt aussieht, wissen wir das in der Regel schon in jungen Jahren. FotografInnen haben es daher heute etwas schwerer, denn die Sensation des Unbekannten entfällt und aus der Aufgabe, wie fotografiert man ein bestimmtes Thema, wurde die Aufgabe, wie fotografiere man schon alt Bekanntes. Fotografie heute muss sich demnach einem höheren Anspruch stellen und kann gleichzeitig so frei wie nie zuvor agieren. Es ist nicht mehr nötig ALLES zu sehen, um ein Bild, eine Botschaft zu verstehen. Weniger ist auch in diesem Falle häufig mehr.

Jeden Tag konsumiert ein Mensch hunderte von Bildern jegweglicher Art, Inhalt und Funktion. Doch das meiste, was man zu sehen bekommt, ist schlicht und dient allein der Orientierung im ständig wachsenden Ozean der Information. Vor allem im Internet hat das Bild fast nur noch die Bedeutung zu lenken und zu leiten, da Bilder nach wie vor die einfachste und schnellste Methode der Kommunikation sind. Bilder sind das Wegeleitsystem des Internets, lenken uns durch die unterschiedlichen Themen und Rubriken. Fast sind sie schon nur noch Piktogramme oder ein visuelles Grundrauschen in den Kanälen der sozialen Netzwerke. Allein auf Facebook werden täglich 350 Millionen Bilder hochgeladen.

So hat der Alltag die Menschen geschult und mit einem gigantischen Bilderwissen gefüttert. Dieses Wissen vorausgesetzt, macht die Fotografie frei – frei von ihrer Pflicht des Dokumentierens und Herzeigens, wie etwas aussieht. Will heutige Fotografie mehr sein als bloße Orientierung oder (selbst)gefällige Dekoration muss sie die Welt und ihre Prozesse interpretieren und e i n e Möglichkeiten e i n e r Sichtweise kommunizieren: einen Blick, bei dem man vielleicht etwas sieht, was Du nicht siehst.“ (aus dem Vorwort der Semesterbroschüre)

H A P P Y  B I R T H D A Y  P H O T O N E W S –  Zeitung für Fotografie. Seit nun 25 Jahren geben Anna Gripp und Denis Brudna dieses feine Fachblatt für Fotografie heraus. Sie begleiten und kommentieren mit ihrer Publikation die Entwicklungen in der Fotografie, stellen fotografische Entdeckungen vor, berichten über Festivals und über einzelne Künstler und über neue Strömungen in diesem Genre der Kunst. Für jede und jede der sich für Fotografie (weniger im technischen Sinne) interessiert und auf dem Laufenen bleiben möchte, sei ein Abonnement (€ 30 pro Jahr) oder der Gang zum Kiosk ans Herz gelegt. Wer sich das Bilder-Defilee der Gratulanten zum 25jährigen Bestehen der Photonews ansehen möchte, klicke hier – es lohnt sich. A U S S T E L L U N G E N  I M  F E B R U A R – gibt es zu Hauf. Eine kleine Auswahl der anstehenden Eröffnungen habe ich hier zusammen gestellt. Das obige Bild „Calm II“ von Anna Domnick kündigt die jährliche Schau der Studien-absolventInnen im Bereich Fotografie an: „Gute Aussichten – Junge Deutsche Fotografie 2013/2014“. Die Eröffnung ist am 06. Februar 2014 im Haus der Fotografie, Hamburg. Am selben Abend eröffnet im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg die Ausstellung „Die Zukunft Fotografieren“. Fünf Deutsche und fünf Russische KünstlerInnen wurden vom Goethe-Institut Moskau eingeladen, um sich mit diesem Paradoxum auseinander zu setzen (Fotografie: Olga Chernysheva). Wenige Tage später lädt das Haus der Fotografie in Hamburg zur Matinee-Eröffnung ein: „Das Zweite Gesicht“. Gezeigt werden Fotografien der vor wenigen Monaten gestorbene Fotografin Elenore Mau, die immer als Lebensgefährtin von Hubert Fichte gehandelt wurde. Hier kann man sie als Fotografin und Künstlerin erleben. Ein besonderes Schmankerl hält das Begleitprogramm bereit, denn am Sonntag, 9. März 2014, 19 Uhr werden im Metropolis Kino in Hamburg vier Fotofilme von Elenore Mau und Hubert Fichte gezeigt.


Nicht um „elfuhrelf“ aber um Neunzehnuhr am 14. Februar 2014 wird in Köln in der Galerie der Agentur LAIF das Fotoprojekt von Ute Behrend, Theodor Bart, Thekla Ehling, Dirk Gebhard, Matthias Jung, David Klammer, Frederic Lezmi, Nadine Preiß und Wolfgang Zurborn über den Kölner Karneval als Buch und als Ausstellung vorgestellt. Bin schon sehr gespannt und werde das Buch wohl auch demnächst hier besprechen.

In diesem Sinne: Schaunmermal !

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